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4. Kriegesschule Zeilitzheim
vom 6ten bis 8ten Novembris 1819
Die vierte Kriegesschule in Schloß Zeilitzheim setzte die Tradition von Vorlesungen und Praktika für die Offiziers aller Waffengattungen fort und kann somit behaupten, eine
neue Pflanzstätte militairischer Bildung zu sein. Neu war diesmal Capitaine Blessons Versuch, das Kriegs-Spiel nach Reißwitz Vater und Sohn zu etablieren, wovon unten näher berichtet wird.
Capitaine Blesson eröffnete die Kriegesschule im Schönbornsaal mit der Verlesung eines Briefes des Gen. v. Scharnhorst an den König:
„Zur Aufmunterung zum Fleiße bitte ich Ew. Königliche Majestät unterthänigst um einige Vergünstigungen dieses Instituts [d.h. der Kriegesschule zu Berlin], nemlich: 1)
daß Ew. Königliche Majestät die Gnade hätten, in den Regimentern bekannt machen zu lassen, daß von nun an niemand mehr Offizier werde, der nicht in dem vorgeschriebenen Examen völlig bestanden hat. Die Ursachen,
warum bis jetzt darin nachgesehen wurde, waren
- Daß von den verschiedenen Portepeefähnrichen sich einige im letzten Krieg gut benommen haben
- Daß sie sich mit dem Mangel an Gelegenheit, etwas zu lernen, entschuldigten.
Beide Umstände finden nicht mehr statt…“
Man bittet hierauf zum Umtrunk in den Salon.
Capitaine Blesson stellt dann einige ausgewählte Werke aus seiner Kriegsbibliothek vor. Er stellt es den anwesenden Officirs anheim, fleißig darin zu studieren, nämlich Lexika, Hand- und Taschenbücher für den Offizier, Kriegsgeschichte, Generalstabswesen, Quartierwesen, Taktik, kleiner und großer Krieg, Artilleriewesen, Kriegsbaukunst, Minierwesen, Geographie, Mathematik, Geometrie, Vermessung und Zeichnenkunst.
Capitaine Schmidt referierte Augoyats Bericht über die Belagerung von Torgau (siehe Bericht) und Capitaine Blesson stellte die Anfangsgründe zum Pontonnierwesen aus seinem Buch über „Feldbefestigungskunst für alle Waffen“ und das seines Vorgesetzten Johann Gottfried v. Hoyer
„Pontonnierwissenschaften“ vor. (siehe Bericht).
Nach der Mahlzeit schritt die Runde in den Jagdsaal, um den Piècen des hochberühmten Musicus Müller zu lauschen, als da waren Johann Nepomuk Hummel, John Field und der
Altmeister Beethoven mit den Variationen über den türkischen Marsch in der Schauspielmusik „Die Ruinen von Athen“.
Am Samstagmorgen repetierte Capitaine Blesson noch einmal die Anfangsgründe der Minierkunst, bevor er en détail den Angriff auf Schweidnitz 1762 mit den überladenen Minen
des Ingenieurs Lefebvre extemporierte (siehe Bericht).
Major Schäfer ergänzte die Ausführungen des Capitaine Schmidt über Torgau, zitierte ausgiebig den Superintendenten Bürger und ging besonders auf den förmlichen Angriff auf
das Fort Zinna ein (siehe Bericht).
Capitaine Berger stellte Aufgaben und Organisation des französischen Stabes vor, der sich auf Thiébault und Decker stützte, wie aus dem veröffentlichtem Manuskript zu
ersehen. (siehe dort).
Der Nachmittag gehörte den Praktischen Übungen, also dem Fechtunterricht des Herrn Guntz und den Anfangsgründen der Meßtischaufnahme mit dem militairischen Meßtisch, geleitet von Capitaine Blesson.
Bei einbrechender Dunkelheit erläuterte Capitaine Schmidt Flugbahnen, Wirkung und Trefferwahrscheinlichkeit für die Feldartillerie, ergänzt durch Capitaine
Blesson, welcher die Wirkung auf Festungswerke behandelte. Capitaine Blesson erläuterte à la main die verschiedenen Geschütztypen in den Festungen an Hand von Modellen.
Die Einführung in das Kriegsspiel verschob Capitaine Blesson auf den nächsten Morgen, da das Diner im Salon aufgetragen
wurde. Wie immer, aß man bescheiden. Nach dem Diner erfreute Major Schäfer die Anwesenden mit einer Lesung von Bonaventura, der dunklen Seite der Romantik.
Der Sonntagvormittag gehörte dem Kriegsspiel, wie im nächsten Bericht ausführlich beschrieben.
Capitaine Blesson verabschiedete um ca. zwei Uhr die Absolventen des diesjährigen Kursus.
(c) Photos: Henrik Schaper, Klaus Schäfer, Martin Klöffler
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